19.02.2018

Sicheres Surfen: Kinder unterstützen und aufklären

Die Smartphone-Nutzung ist für Kinder heutzutage selbstverständlich geworden. Schon die Kleinsten kommen mit der Technik in Kontakt. Damit Kinder von Tablet, Laptop und Smartphone profitieren, sollten Eltern ihren Nachwuchs vor nicht-jugendfreien Inhalten schützen. Zudem sollte man ihnen ein medienkompetentes Verhalten vermitteln und vorleben.

Datenschutz

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Standorte, Likes, Meinungen, soziale Kontakte, Persönliches wie Beziehungsstatus, Stimmungen oder politische Einschätzungen sowie eigene Fotos und Videos werden vernetzt, zusammengefasst und ausgewertet. Dadurch entsteht ein detailliertes Profil des Internet-Nutzers.

 

Vor allem Kinder machen sich keine Gedanken darüber, was es für Konsequenzen nach sich zieht, wenn man persönliche Daten von sich ins Internet stellt. Daher sollten Eltern mit ihren Kindern über einen konsequenten und sparsameren Umgang mit den eigenen Daten sprechen und sie dafür sensibilisieren.

 

Soziale Netzwerke und Foren

In Sozialen Netzwerken und Foren sollte man sparsam mit persönlichen Daten umgehen – auch wenn Facebook und Co. genau darauf ausgelegt sind. Sensible Daten wie Wohnort oder Telefonnummer sollten zurückhaltend eingesetzt werden. Auch beim Hochladen von Fotos gilt das Prinzip: Weniger ist mehr.

 

Tipp: Wenn sich der Nachwusch bei Facebook und Co anmeldet, sollte dafür eine zweite E-Mail-Adresse genutzt werden, die nicht für persönliche Kommunikation eingesetzt wird.

 

Apps

Jüngere Kinder sollten niemals alleine Zugriff auf den App-Store erhalten. Ratsam ist es, mit dem Nachwuchs zusammen Apps zu suchen und herunterzuladen. Vor dem Download sollte man die Bewertungen lesen. Abzuraten ist von Apps, die Berechtigungen fordern, die die Programme für ihre Funktion gar nicht benötigen – zum Beispiel wenn eine Taschenlampen-App Zugriff auf die persönlichen Kontakte oder den Standort haben möchte. Bereits installierte Apps können im Nachhinein mit speziellen Programmen wie dem „AppBrain Ad Detector“ überprüft werden.

 

Messenger-Apps

Mobile Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Facebook Messenger gehören mittlerweile zur Standardausstattung auf dem Smartphone. Das ist auch bei Schülern und Jugendlichen nicht anders. Doch gerade die Messenger-Apps stehen immer wieder in der Kritik, unsensibel mit den Daten ihrer Nutzer umzugehen. So wurde bekannt, dass WhatsApp beispielsweise die kompletten Kontaktdaten ausspioniert und sogar Telefonate mitgehört hat.

 

Hinzu kommt, dass es nicht besonders kompliziert ist, sich den Online-Status, Profilbilder, Status-Nachrichten oder die Datenschutzeinstellungen von einem beliebigen WhatsApp-Nutzer anzeigen zu lassen. Um Kinder davor zu schützen, gibt es leider nur eine Möglichkeit: WhatsApp nicht mehr nutzen. Alternative Messenger wie Threema oder Hoccer bieten mehr Daten- und Nutzersicherheit. Der Nachteil: Die „sicheren“ Messenger werden von deutlich weniger Nutzern eingesetzt. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Nachwuchs dort seine Freunde findet, ist deutlich geringer als bei WhatsApp und Facebook. 

 

Kindgerechtes und sicheres surfen

 

Mobile Kindersicherung

Die App Chico Browser ermöglicht das sichere Surfen für Kinder auf Android-Geräten. Die App einfach herunterladen und Anmeldedaten eingeben. Anschließend können Eltern die Internetseiten definieren, die erlaubt oder verboten sind. Zudem zeigen Protokolle an, welche Seiten der Nachwuchs besucht hat. Wichtig: Die App ersetzt den Standard-Browser und kann nur genutzt werden, wenn alle anderen Browser auf dem Smartphone oder Tablet gesperrt werden.

 

Die App fragFinn beschränkt den Internet-Zugang auf Angebote, die Medienpädagogen als kindergerecht eingestuft haben. Mit der Suchmaschine können Kinder zwischen 6 und 12 Jahren für sie geeignete Internetinhalte finden. Die fragFinn-Whitelist enthält eine umfangreiche Liste mit für Kinder interessante und unbedenkliche Internetangebote. Diese Liste wird nach Angaben des App-Herstellers täglich aktualisiert, ergänzt und geprüft.

 

Kostenfallen

Die Smartphone- und Tablet-Nutzung von Kindern ist unbekümmert. Schnell lässt sich der Nachwuchs von blinkenden und bunten Bildern und Bannern verleiten. Nur ein Fingertipp und schon wurde ein Abo abgeschlossen oder ein In-App-Kauf getätigt. Um diese und andere Kostenfallen zu vermeiden, sollten Eltern diese kennen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.

 

In-App-Käufe

In-App-Käufe sind eine beliebte Methode für App-Anbieter Geld zu machen. Die oft kostenlosen Spiele-Apps können durch die sogenannten In-App-Käufe zu richtigen Kostenfallen werden. Dabei locken magische Zaubertränke, bunte Steine oder Futter für das süße Pony – und das kostet Geld. Ein Fingertipp reicht und schon hat das Kind für sein vermeintlich kostenloses Spiel munter eingekauft.

 

Eltern können diese Kostenfalle vermeiden. Beim iPhone und iPad können in den Einstellungen à Allgemein à Einschränkungen die „In-App-Käufe" deaktiviert werden. Bei Android-Geräten muss man über den Play Store gehen. Dort wählt man Einstellungen à Nutzersteuerung à Passwort für Käufe erforderlich à Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät. Der Kauf neuer Apps beziehungsweise das Shopping innerhalb von Apps ist daraufhin nur noch mit der Eingabe des Google-Kennworts möglich.

 

Abofallen

Teure Abofallen sind eine beliebte Abzockmethode von dubiosen Anbietern. Kinder sind dabei geeignete Opfer. Aus Versehen oder aus Neugier auf einen bunten, blinkenden Werbebanner geklickt und schon hat der Nachwuchs ein teures Abo für Klingeltöne, Hintergrundbilder oder witzige Videos abgeschlossen.

 

Um erst gar nicht in diese Situation zu kommen, sollten Kinder zuerst für dieses Thema sensibilisiert werden. Man sollte mit seinem Kind darüber sprechen, welche Folgen ein Klick auf eine Werbeanzeige haben kann. Gleichzeitig sollten Eltern ihnen Alternativen aufzeigen, wie man zum Beispiel kostenlos Musik hören oder sich Bilder auf das Smartphone oder Tablet laden und diese als Hintergrund nutzen kann. 

 

Ist der Nachwusch doch in eine Abo-Falle getappt, sollte man ruhig bleiben. Zum einen sind Geschäfte, die beispielsweise nur in den AGB als kostenpflichtig deklariert wurden, ungültig. Zum anderen gilt auch im Internet: Nur wer über 18 Jahre alt ist, ist uneingeschränkt geschäftsfähig. Kinder unter sieben Jahren gelten als nicht geschäftsfähig. Käufe, die sie tätigen, sind demnach unwirksam. Kinder ab sieben Jahren und Jugendliche unter 18 Jahren können nur Kaufverträge abschließen, die sie mit ihrem Taschengeld begleichen können (Taschengeldparagraf). Diese Regeln gelten auch, wenn der Nachwuchs beim Alter geschummelt hat. Es zählt das tatsächliche Alter. Das Risiko für Falschangaben trägt in diesem Fall der Anbieter. Informationen und eine Rechtsberatung zu diesem Thema gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (www.verbraucherzentrale-bawue.de).

 

Tipp für Eltern:

Es ist ratsam, gemeinsam Regeln für Onlinegeschäfte festzulegen. So kann man zum Beispiel die Absprache treffen, dass Downloads nur im Beisein der Eltern gestartet werden oder dass sich die Eltern zuvor erst genau die Internetseite anschauen.

 

Drittanbietersperre

Wenn der Nachwuchs ein eigenes Gerät besitzt, sollten Eltern unbedingt die Drittanbietersperre vom Mobilfunkanbieter aktivieren lassen. Mit der Drittanbietersperre fordert der Kunde seinen Mobilfunkanbieter auf, die Handynummer nicht an Dritte weiterzugeben. Somit können weder In-App-Käufe noch Abos abgeschlossen werden. Bei manchen Mobilfunkanbietern kann auch eine individuelle Sperre eingerichtet werden – es werden also nur bestimmte Dienste oder Rufnummern gesperrt. Weitere Informationen finden Eltern dazu im Kunden- und Service-Bereich des jeweiligen Anbieters.

 

Problematische Inhalte

 

Fakenews

Vor allem Schüler und Jugendliche nutzen Blogs oder Soziale Netzwerke wie Facebook als Nachrichten- und Informationsquelle. Dabei sind sie besonders anfällig für Falschmeldungen von manipulierenden Nachrichtenseiten. Auf den ersten Blick wirken diese Seiten seriös und glaubhaft. Doch wer genau hinschaut, erkennt die systematische Stimmungsmache gegen Fremde und Flüchtlinge. Nicht selten locken rechtsextreme Angebote.

 

Ein kritischer Umgang mit jeglichen Informationen aus dem Internet ist somit eine der wichtigsten Kernkompetenzen. Eltern sollten ihren Nachwuchs dabei helfen, Informationskompetenz zu erwerben, indem sie Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, ein kritisches Bewusstsein gegenüber Informationen aus dem Internet zu entwickeln. So ist es unter anderem wichtig zu wissen, dass Informationen aus dem Internet nicht immer der Wahrheit oder Realität entsprechen und dass automatisierte oder als erstes angezeigte Ergebnisse nicht zwangsläufig die besten sind.

 

Pornografie

Das Internet gilt heute als Hauptquelle für pornografisches Material. War der Zugang zu pornografischem Material  vor mehreren Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche noch erschwert, braucht es heute nur einen Klick, um Pornografie zu konsumieren. Pornografie gilt vor allem deswegen als problematisch, weil darin sexuelle Normvorstellungen vermittelt werden, die nichts mit der Realität zu tun haben.  

 

Insbesondere Jugendliche übernehmen das in Pornos Gesehene und setzen sich somit selbst unter Erfolgsdruck. Ein weiteres Problem ist ein vermindertes Selbstbewusstsein, wenn man angestrebte Praktiken, die in den Filmen gezeigt werden, nicht umsetzen kann. Daher gilt auch hier als oberstes Ziel: Eltern müssen ihren Nachwuchs darüber aufklären, dass die Bilder eines stets potenten Mannes und einer zu jeder Zeit willigen Frau nicht der Realität entsprechen.

 

Essstörung

Bereits seit einiger Zeit ist ein besorgniserregender Trend zu erkennen: Im Internet werden Essstörungen auf bestimmten Seiten verharmlost und als Lifestyle-Trend glorifiziert. Entsprechende Inhalte zeigen oftmals Abbildungen von Balletttänzerinnen, Feen, Engeln oder Schmetterlingen, die für körperliche Perfektion, Leichtigkeit und Anmut stehen. Die Betreiber und Anhänger solcher Internetinhalte sind in der Regel junge Frauen, die zumeist selbst an einer Essstörung leiden.

 

Besonders gefährlich: Auf den entsprechenden Seiten wird aktiv zur Nachahmung angeregt. Es gibt Tipps zum Abnehmen, Ess-/Gewichtstagebücher können geführt werden, Abnehmwettbewerbe werden veranstaltet, sogar die Suche nach „Twins“ – also Abnehmpartnern – wird angeboten. Da die dort eingestellten Bilder und Videos zu einer verzerrten Wahrnehmung von Körper- und Schönheitsidealen führen, kann es dazu kommen, dass Betroffene den Bezug zur Realität verlieren.

 

So erkennen Eltern problematische Internetseiten:


  • einseitige Propagierung von Magersucht – Magersucht ist keine Krankheit, sondern ein Lifestyle
  • detaillierte Beschreibung von Abnehmtechniken
  • Veranstaltung von Abnehmwettbewerben
  • Unterstützung der Suche nach Abnehmpartnern („Twins“)
  • Aufforderung, sich dem Diktat von „Ana“ oder „Mia“ zu unterwerfen (dabei handelt es sich um Ableitungen der medizinischen Begriffe Anorexia nervosa und Bulimia nervosa).

 

Hilfsangebote:


Eltern können bedenkliche Inhalte einer Beschwerdestelle melden, damit eine Löschung veranlasst wird. Dazu zählen u.a.

 

Rechtsextremismus

Das Internet wird als wichtigstes Propagandamittel für Rechtsextremismus eingesetzt. Dabei werden rechtsextreme Inhalte und rechtsextremes Gedankengut oftmals so raffiniert vermittelt, dass es selbst von Erwachsenen auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist. Vor allem Jugendliche, die noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, Zugehörigkeit und Weltanschauung sind, bilden eine leicht beeinflussbare Zielgruppe für den Rechtsextremismus. Zudem bietet das Internet die Möglichkeit, rechtsextremes Gedankengut subtil und jungendgerecht zu vermitteln.

 

Die Internetauftritte rechtsextremer Plattformen machen auf den ersten Blick einen harmlosen, mitunter modernen Eindruck. Dennoch ist die Ideologie hinter dieser Fassade immer die gleiche: antidemokratisch, fremdenfeindlich, rassistisch.

 

Tipps für Eltern:

Wenn Eltern merken oder erfahren, dass der Nachwuchs fremdenfeindliche, menschenverachtende oder sonstige hasserfüllte Beiträge gelesen oder gesehen hat, sollte man sich die Seite zeigen oder sich davon berichten lassen. Wichtig ist es, mit dem Kind über die Inhalte und das dahinterstehende Weltbild zu sprechen. Zudem sollte erklärt werden, warum diese Beiträge menschenverachtend und falsch sind.

 

Rechtsextreme Inhalte im Internet sollten an eine Beschwerdestelle gemeldet werden. Erster Ansprechpartner ist unter anderem www.jugendschutz.net. In Sozialen Netzwerken und auf Videoplattformen gibt es spezielle Buttons, über die unangemessene Inhalte gemeldet werden können. In Foren und auf anderen Internetseiten kann man sich zudem an den jeweiligen Betreiber wenden.

 

Spam

Spam steht für unerwünschte beziehungsweise rechtswidrig versandte Werbe-E-Mails. Auch Werbeeinträge in Newsgroups, die nicht das Thema der Newsgroups aufgreifen sowie Kettenbriefe fallen unter den Spam-Begriff.

 

Um sich vor Spam zu schützen, sollte man Schutzprogramme installieren und Spam-Filter einsetzen. Zudem sollte man die E-Mail-Adresse nicht unachtsam weitergeben. Am besten teilt man seine E-Mail-Adresse nur Personen mit, die man auch persönlich kennt.

 

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Eltern ihren Nachwuchs vermitteln, erst gar nicht an Gewinnspielen, Newslettern und Newsgroups teilzunehmen. So wird die E-Mail-Adresse nicht weitergegeben und kann somit auch nicht für das Versenden von Spam-Nachrichten genutzt werden.

 

Wichtig: Spam-Mails sollten niemals geöffnet und immer sofort gelöscht werden.       

 

Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing oder Cyber-Bullying beschreibt das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten über einen längeren Zeitraum hinweg. Cyber-Mobbing findet im Internet vor allem in Sozialen Netzwerken oder in Video-Portalen statt sowie über das Smartphone (zum Beispiel durch Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp oder durch lästige Anrufe). Cyber Mobbing geschieht oftmals anonym, sodass das Opfer nicht sicher weiß, von wem die Angriffe stammen. In der Regel kommen die Angreifer aus dem realen persönlichen Umfeld des Opfers (zum Beispiel Schule, Wohnviertel, Dort, Verein etc.)

 

Wird das eigene Kind im Internet gemobbt, sollte in jedem Fall der Service-Anbieter der Plattform (z.B. Facebook oder YouTube) kontaktiert werden. Findet das Mobbing über Instant-Messenger wie WhatsApp statt, können bestimmte Kontakte blockiert werden. Erhält das eigene Kind beleidigende oder drohende E-Mails, sollte die Adresse des Angreifers in den Spam-Ordner verschoben werden. Somit werden unerwünschte E-Mails entweder gleich vom E-Mail-Anbieter gelöscht oder aber die Nachrichten landen gleich im Papierkorb.

 

Wird der Nachwuchs mit ständigen Anrufen belästigt, kann man die Nummer des Angreifers entweder sperren lassen oder man wechselt gleich seine eigene Rufnummer. Wichtig: Bei massiver Bedrohung sollte in jedem Fall die Polizei eingeschaltet werden.

 

Das können Eltern tun:


  • Dem Kind Unterstützung und einen sicheren Rückzugsort anbieten.
  • Mit dem Kind über das Geschehene sprechen, es aber nicht dazu drängen.
  • Den Nachwuchs dazu ermutigen und es  dabei zu unterstützen, sich zur Wehr zu setzen.
  • Sachverhalte dokumentieren (E-Mails, Posts, Anrufe, etc.).
  • Prüfen, ob die Polizei benachrichtigt werden muss.
  • Sich mit anderen Betroffenen oder Experten vernetzen.
  • Unterstützung bei Beratungsstellen oder Portalen suchen wie netz-gegen-cybermobbing.de oder buendnis-gegen-cybermobbing.de.

 

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